Von Deppen und Dummies

Auf dieser Wiese ist ein Dummy versteckt. Wer kann ihn sehen?
Auf dieser Wiese ist ein Dummy versteckt. Wer kann ihn sehen?

Wie Mama versprochen hatte, wollten wir das Wochenende im Wald verbringen und so packte sie am Samstagnachmittag tatendurstig unsere Ausrüstung und wir gingen zu unserer Lieblingswaldwiese. 

 

Für das bessere Verständnis des geneigten Lesers bedarf es nun einiger Erläuterungen.

 

Mama versucht ja ständig, uns neue Tricks beizubringen. Bei zwei gleichaltrigen Dackelteenies wie uns, hat sie sich natürlich was vorgenommen. Manche Dinge kann nur ich und manche Dinge nur Lucy und ein paar Kommandos können wir beide. (Ob ich Lust habe, die auch zu befolgen, steht auf einem anderen Blatt.) (Haha.) 

Lucy lässt sich zum Beispiel prima abrufen, ich sehe es aber absolut nicht ein, zu meiner Mama zu latschen, wenn auf der anderen Seite der Wiese viel spannendere Sachen warten, wie Mäuselöcher, Wildtierbauten, andere Hunde und viele weitere Wunderdinge. 

Dafür kann ich apportieren (D.h. ich renne dem Ball nach und hole ihn, aber das mit dem Hergeben gefällt mir nicht so ganz, ich trage den dann lieber in meine Höhle zum Zerkauen.) und Lucy nicht. 

Nun hat sich Mama mit ihrem verrückten Menschenhirn gedacht, es wäre ja cool, wenn Lucy auch apportieren könnte. Denn dann könnte Mama draußen auf der Wiese Stöckchen-Werfen spielen, was Menschen ja sehr gern spielen. Da Lucy aber kein Interesse am Apportieren hat, stellte Mama sich und Lucy einen Plan auf:

 

Schritt 1: Lucy soll lernen, einen Dummy ins Maul zu nehmen.

Schritt 2: Lucy soll lernen, den Dummy zu tragen.

Schritt 3: Lucy soll zum Dummy rennen und ihn tragen.

Schritt 4: Lucy bringt den Dummy zu Mama.

Schritt 5: Lucy gibt den Dummy wieder her.

 

Bisher klappte nur Schritt 5: Lucy biss nur kurz rein und ließ wieder vom Dummy ab. Da der Dummy sich mit Futter füllen ließ, war Lucy dann auch bei Schritt 1.

 

Soviel zur Vorgeschichte. An diesem Tag ging Mama also fröhlich pfeifend mit uns auf die Wiese und war so naiv zu glauben, ihr Dummy, gefüllt mit Würstchen, wäre hier draußen interessanter als ein Mauseloch. Ich ging schnurstracks an der Schleppleine zum Buddeln und Mama übte mit Lucy. 

 

Lucy roch natürlich die Würstchen und nahm brav den Dummy ins Maul, kapierte aber nicht so ganz, was Mama nun eigentlich damit bezwecken wollte. Mama warf den Dummy ein Stück, Lucy rannte hin, biss in den Dummy und wartete. Mama ging zu ihr, lobte sie und warf den Dummy erneut. 

Ich beobachtete das Schauspiel eher nebenbei und interessierte mich eher für die vielen Mauselöcher und Wildschweinsuhlen. Davon gab es wirklich sehr viele, die Wiese sah aus wie ein großes schlammiges Schlachtfeld.

Als Mama gerade wieder den Dummy geschmissen hatte, war es dann soweit. Mir reichte die 10-Meter-Schleppleine nicht mehr, um das nächste potentielle Buddelloch zu erreichen und mit einem beherzten Ruck zerrte ich meine Mama in meine Wunschrichtung. Mama rannte mir dann erstmal hinterher und meckerte und holte mich wieder etwas näher zu sich heran. Ich schnüffelte, zu beschäftigt für ihre pädagogisch nahegelegten Erläuterungen, wieso mein Verhalten nicht zu gutheißen sei / ihren Anschiss, und befand mich wieder in ihrem Dunstkreis. Mama war zufrieden. Für ungefähr drei Sekunden. Dann sah sie nämlich Lucy zu ihren Füßen sitzen und ihr dämmerte, dass der Dummy nicht mitgenommen worden war, sondern immer noch auf der Wiese lag, wo Mama ihn hingeworfen hatte.

(Man sollte vielleicht noch ergänzen: Der Dummy war von einer dunkelbraunen Farbe.)

Mama suchte den ganzen restlichen Nachmittag nach dem Dummy, während Lucy fröhlich neben ihr über die Wiese hüpfte und nicht im Traum daran dachte, den Dummy zu erschnüffeln. Gab ja genug andere tolle Gerüche hier. Die Olle war also beschäftigt und ich, Bud, der Buddelingenieur, konnte mich endlich ganz meinen Mauselöchern widmen.

Die Sonne schickte sich schließlich an, unterzugehen. Der Dummy blieb unauffindbar. Mama fiel ein, dass sie am Abend noch mit Papa und dessen Familie zum Essen eingeladen war und sie noch zwanzig Minuten hatte, um heimzulaufen und sich fertig zu machen und joggte mit uns heimwärts.

Am nächsten Tag wurden wir schon am Morgen gassifertig gemacht und Mama ging mit uns nochmal den Dummy suchen, jedoch wieder ohne Erfolg. Ich hatte keinen Bock mit ihr herumzulaufen und zerrte an der Leine und Mama war total genervt. Dann ging sie mit uns in den Wald wandern und wir entspannten uns beide etwas. Es war wunderschön im Wald. Das Licht brach sich an den vielen Bäumen und erschuf so eine Stimmung, als wären wir die Einzigen hier an diesem verzauberten Ort. Waren wir aber nicht. Wir trafen viele Spaziergänger und den ein oder anderen Hundekollegen. Heimwärts gingen wir noch ein letztes Mal über die Wiese. Mama glaubte nicht wirklich mehr daran, den Dummy jemals wiederzufinden, wahrscheinlich hatten ihn sich eh bereits in der Nacht Wildschweine und Füchse schmecken lassen. Dafür konnte Lucy noch einmal flitzen und ich buddeln. Ohne Dummy, aber dennoch zufrieden, gingen wir drei heim und ruhten uns von unserem Waldtag aus.

 

Der nächste Dummy wird in einer Leuchtfarbe sein und mit einem GPS-Ortungssignal gefüllt.

 

Euch auch noch einen entspannten Sonntag!

Euer Bud.

 

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